Selbstständig als Mama – zwischen fatalen Falschannahmen und wilden Versprechen vom schnellen Geld
Neulich habe ich mal wieder erlebt, welche fatalen und falschen Annahmen es über die Selbstständigkeit gibt – und dass diese leider viele Menschen daran hindern, sich beruflich erfüllter, freier und selbstbestimmter zu fühlen. Sie hindern bereits im Kopf daran, flexibel sein und beides haben zu können: Erfüllende Erwerbsarbeit und erfüllende, gelassene und präsente Mutterschaft. Wir sind in Frankreich. Ich sitze in der Sonne, vor mir auf einem kleinen Holztisch mein Laptop. Ich bereite einen Unterrichtscall für die Teilnehmerinnen unserer Familienberaterinnen-Ausbildung vor. Pinienduft in der Luft, in meinem Bauch warme Zufriedenheit. Ein Bekannter unserer Familie läuft mit einer Baguettetüte vorbei, wir machen auf dem gleichen Campingplatz Urlaub. „Ja, ja, selbst und ständig, wa?“, sagt er, grinst und geht weiter. „Interessant“, denke ich mir. Denn es zeichnet wahrscheinlich in vielen Köpfen das Bild derjenigen, die niemals abschalten kann und darf, die sich ständig vorm Laptop oder dem Terminkalender die Haare rauft, die immer von einem Termin zum nächsten hastet. Wem und was schenken wir unsere kostbare Lebenszeit? Ich glaube, dass es in manchen Fällen so sein kann – obwohl ich das eher von Angestellten so kenne. Ich glaube aber insbesondere, dass viele Menschen das sagen, um unbewusst eine Rechtfertigung dafür zu haben, dass sie jeden Tag, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr ihre kostbare, unwiederbringliche Lebenszeit Firmen, Menschen und Aufgaben in den nimmersatten Rachen werfen, die sie eigentlich gar nicht mögen. Es ist so verbreitet in Deutschland das zu tun, nur auf das nächste Wochenende und den Urlaub hinzuleben, dass wohl nur wenige Menschen glauben, dass es anders sein kann – und gar nicht schwer ist.
Ich arbeite im Urlaub, weil ich will, weil es mir Spass macht – nicht, weil ich muss.
Ich bin keine mit allen Businesswassern gewaschene Überfliegerin. Ich bin eine Mama, die mit ganz kleinen Babys im Arm erste Schritte versucht und seitdem einen Step nach dem nächsten in ihrem Tempo macht. Ich habe aus dem Mittagsschlaf der Zwillinge heraus Weiterbildungen besucht, Blogtexte und Bücher geschrieben. Ich habe Frühmorgens und Abends gelernt und gearbeitet – nie, weil ich MUSSTE, immer weil ich WOLLTE und für all das brannte. Und so ist es noch. Nicht selbst und ständig – sondern ständig ich selbst. Mit meinen Interessen, meiner Authentizität, meiner Persönlichkeit und der Arbeit, die zu mir passt. Es geht auch in meinen Augen nicht darum, gar nichts mehr tun zu müssen, sondern die Freiheit zu haben, zu entscheiden, wann und wie du arbeitest. Es gibt so viele scheinbar verlockende Angebote dort draußen. Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Jahren Anfragen von Menschen aus den unterschiedlichsten Networkmarketing-Bereichen bekommen habe: Öle, Nahrungsergänzung, Beauty, Putzlappen… Und immer denke ich mir: „Krass, wenn die Frauen, die Zeit und Energie in ihr eigenes Ding stecken würden, hätten sie komplette Unabhängigkeit. Dann hätten sie etwas, das niemand anderem gehört an dem niemand anderes mitverdient, über das niemand anderes bestimmen – und das auch niemand anderes vor die Wand fahren kann.“ Vorsicht vor falschen Versprechen! Natürlich ist es verlockend, in vorgegebene Strukturen einzusteigen und auf diese Freiheitsversprechen und „ganz leicht nebenbei“ mit Hoffnung zu reagieren. Aber ich – und ich weiß, ich mache mir jetzt nicht nur Freundinnen – finde es immer ein wenig befremdlich, da so die Klinken putzen zu müssen. Und wie gesagt: Es ist ja dann doch überwiegend wieder für jemand anderen. Ich glaube, dass sich viele, viele Frauen viel, viel mehr selbst zutrauen dürften. Eigene Ideen, eigenes Feuer, eigene Angebote. Sind die Frauen in uns nach meiner Ausbildung niemals unsicher, wie die Reise nun weitergeht und ob es funktioniert? Himmel, NEIN, natürlich nicht. Denn es gehört dazu! Aber ich sehe, wie sie alle Schritt für Schritt sichtbar werden, auf unterschiedlichste Art und Weise und ihre Wege gehen – genau wie ich. Damals mit meinen kleinen Mäusen aus dem Mittagsschlaf und der Wickeltasche heraus. Heute mit größeren Kindern, die zur Schule und in die Kita gehen, mit einem tollen Team und einem Weiterbildungsinstitut für Frauen. Das muss ja auch nicht jede machen, ich hätte das vor 10 Jahren auch niemals geglaubt. Weder, dass ich so viele Familien coachen und begleiten oder gar Bücher schreiben darf, die es in Buchhandlungen und Büchereien gibt. Noch, dass es irgendwann die Ausbildung gibt. Ein Schritt nach dem anderen Ich habe einen Schritt nach dem nächsten gemacht. Hier eine Ausbildung, da einen kleinen Post geschrieben, dort zu einem Workshop eingeladen. Ein Schritt nach dem anderen ergibt in einem Jahr eine ganz schön weite Wanderung. Und nach 5 Jahren. Oder 10. Aber nur, wenn wir losgehen. Und es geht nicht um schnellen Erfolg, schnellen Reichtum oder was auch immer! Es geht darum, für sich erfüllt und zufrieden zu sein. Seinen Kindern bestimmte Werte und Wege vorzuleben, damit sie an sich glauben und nicht an „Arbeiten bis zum Burnout“. Es geht darum, etwas zu bewirken und einen Unterschied zu machen. Es geht darum, sich nach und nach etwas aufzubauen, das zu einem passt. Es geht um uns und unsere Wünsche. Und das ist niemals egoistisch, weil alle etwas davon haben, wenn wir erfüllt und zufrieden sind. Und von einer Arbeit als Familienberaterin haben noch viel mehr Menschen etwas – nicht nur unsere eigenen Familien, mit denen wir das Wissen leben. Nur Mut, ständig du selbst ist gut! Denn du bist gut!